Sex, Liebe und die Suche nach Sinn

Spirituell gefärbte Gedanken und Geschichten zur Evolution der Liebe

Wechselspiele Teil 2

1985, Laguna Beach, Kalifornien                                                                                                                                        

Svens Hand sauste wieder und wieder auf meinen nackten Po hinab.                                                                                                                                                                 „Oh, nein, nein, das tut weh, bitte, schlag mich nicht, nein, aah, oooh!“ Ich lag bäuchlings über seinen Beinen, mein dick geschminktes Gesicht in gespieltem Schmerz verzerrt, und strampelte mit den Füßen, während hinter den Kulissen Deepak immer genau dann in die Hände klatschte, wenn Sven mich ,schlug‘.                                                                                                

„Cut! Okay, danke, das haben wir. Noch eine Szene mit Jallalo und Sven, und dann wär’s das für heute.” Murray, unser braungebrannter Regisseur, Produzent, Maskenbildner und Brötchengeber war ein sportlicher Südkalifornier, wie er im Buche stand. Die Spezialität seines Filmstudios waren Spanking Videos, Sex-Videos, in denen sich die Charaktere auf jede erdenkliche Weise jedes erdenkliche Körperteil schlugen. Uns machte die Arbeit Spaß – Deepak, Sven, mir und Jallalo, einer zierlichen Australierin mit transparenter Haut und kastanienrotem Pagenkopf. In allen möglichen Kombinationen hatten wir denTag damit verbracht, zu stöhnen und zu ,schlagen‘, sogar eine Lesbennummer war dabei. Mit den Hosentaschen voller Zwanzigdollarscheine machten wir uns dann bei Sonnenuntergang wieder auf den Weg nach Hause.

Sven lud Jallalo ein, zum Abendessen zu bleiben. Wir waren umgezogen, vom Norden in den Süden Kaliforniens, und bewohnten ein schönes Holzhaus direkt am Pacific Coast Highway, das wir uns nur deshalb leisten konnten, weil wir zu acht in fünf Zimmern lebten. Bei Avocadosalat und Weißbrot lauschten wir vier dann dem Rauschen des dunklen Pazifik direkt unter unserer Veranda und lachten über die Szenen, die wir zusammen gedreht hatten. Nach dem Essen kringelte sich Deepak vor dem Fernseher zusammen und ich ging unter die Dusche, um das dicke Film-Make-Up abzuwaschen.

Als ich, nur in ein Handtuch gewickelt, aus dem Badezimmer kam, waren Sven und Jallalo verschwunden. Deepak zuckte die Achseln, als ich ihn fragte, wo die beiden denn seien, er war ganz auf das Footballspiel im Fernsehen konzentriert. Ich stieg die Holztreppe ins Obergeschoss hinauf. Mein Zimmer war ursprünglich als Bücherei gedacht, eine kleine offene Loft, mit Blick auf das Wohnzimmer und den Ozean davor. Die Aussicht machte den Mangel an Privatsphäre wett, tröstete ich mich immer dann, wenn ich gern einmal eine Tür hinter mir geschlossen hätte. Sven hatte sein eigenes Zimmer und dort hörte ich Stimmen. Ohne anzuklopfen, öffnete ich die Tür. Auf Svens Bett, das von kniehohen Kristallen umgeben war, die Sven von seinen Reisen nach Südamerika mitgebracht hatte, saßen er und Jallalo, Hände haltend, einen Rin-Tin-Tin Comic vor sich aufgeschlagen. Sie blickten lächelnd auf.                                                                             „Was lest ihr denn?“, fragte ich, hoffend, dass mich meine Vorahnung täuschte und die beiden einfach nur freundschaftlich plauderten.                                                                                                                                                                                                    „Jallalo bleibt heute Nacht hier“, sagte Sven sofort und lächelte unsere Freundin an. Also doch. Unwillkürlich griff ich nach seiner Hand – der, die Jallalo nicht hielt – und setzte mich dicht neben ihn aufs Bett.                                                                                                            „Ich will, dass du bei mir schläfst.” Ich zwängte die Worte heraus und erschrak selbst vor der Härte, die in ihnen schwang und der verzweifelten Wut. Hatte er unser Versprechen vergessen? Einen langen Moment herrschte völlige Stille. Ich fühlte mich plötzlich alt und hässlich. Sven, seine Stimme leise, aber fest, sagte: „Ich schlafe heute mit Jallalo.”

„Okay.” Ich zog meine Hand zurück. Als ich wie in Zeitlupe aufstand, die Tür öffnete und ohne mich umzusehen wieder schloss, war mir, als fernsteuerte ich meinen Körper von einem versteckten Ort weit hinter mir. Es war das gleiche Versteck, in das ich mich damals in der Peepshow in Frankfurt zurückgezogen hatte, auf meinen Drogen-Lieferfahrten in die Schweiz und jedesmal wenn Sven oder ich fremdgingen. So wie jetzt.

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