Sex, Liebe und die Suche nach Sinn

Spirituell gefärbte Gedanken und Geschichten zur Evolution der Liebe

Barry Long

Ich bin ein Meister, eröffnete Barry das Retreat. Ich spreche nur von der Liebe, dem Leben, Gott, der Wahrheit und dem Tod. Nicht von der Liebe, die ihr im Fernsehen seht. Nein, der echten Liebe, der Liebe, die ihr macht, wenn ein Mann eine Frau wirklich liebt, mit seinem Penis, denn damit liebt man, und nicht mit dem Kopf. Wenn der Mann bei der Liebe nicht phantasiert, sondern selbstlos und ehrlich mit seiner Frau ist. Und wenn die Frau ihre Emotionen ablegt, weil sie weiß, dass ihr Mann sie liebt, dass er alles tut, um sich von dem egoistischen Verlangen in ihm zu befreien. Und weil sie für die Liebe gerade steht, die Liebe, die sie ist. Frauen, das ist eure Aufgabe, das müßt ihr tun, um der Liebe willen……..

Dieses Mal versuchte ich nicht, jeden Satz zu analysieren und zu verstehen. Ich hörte einfach zu, ließ Barrys Worte in mich hinein. Als der Vortrag gerade vorbei war, sah ich Barry und seine Frau Jane aus einem Nebenzimmer zu mir hinüberschauen. Ich senkte verlegen den Blick, als könnte ich mich so verstecken, ohne zu wissen, wovor. Einen Moment später berührte eine Hand leicht meine Schulter.

„Barry würde dich gern sehen, kannst du mit mir kommen?“, fragte Jane. Ich nickte stumm, meine Beine hatten begonnen zu zittern. Jane führte mich ohne weitere Worte in einen kleinen Raum, in dem außer drei Stühlen nur aufgestapelte Konferenzmöbel standen. Barry saß dort und begrüßte mich mit ausgestreckter Hand.
„Hallo, guten Tag“, lächelte er. „Erinnere mich an deinen Namen, bitte. Ich kenne dich doch aus Australien, nicht wahr?“ Ich nahm seine kleine, trockene Hand und nannte ihm meinen Namen, berührt von seiner Herzlichkeit. Alle Unsicherheit war verschwunden, eine Welle von Vertrauen trug mich mit sich.

„Ich habe dich rufen lassen, weil ich sehen kann, dass du dich wirklich bemühst, dich der Wahrheit hinzugeben. Das wollte ich anerkennen.” Diese Worte kamen völlig unerwartet; ich wußte nicht, was ich erwidern sollte.

„Wie geht es dir?“, erkundigte Barry sich dann. Ich kippte fast von der Stuhlkante, so weit hatte ich mich vorgelehnt. Noch bevor ich nachdenken konnte, sprudelte es aus mir heraus: „Mir geht es gut. Sehr gut. Ich bin allein, ich habe mich vor etwa drei Jahren von einem Mann getrennt, aber alles ist gut. Ich weiß im Moment nicht genau, was ich machen werde, oder wo ich in Zukunft leben werde, aber ich brauche auch nichts zu wissen. Das allein ist schon ein sehr gutes Gefühl. Ja, alles ist wirklich gut.”

Ich lächelte, und gleichzeitig zuckte es um meine Augen und meinen Mund ganz unkontrollierbar, als wenn eine Maske, die ich mein ganzes Leben lang getragen hatte, zu zerbröckeln begann. Ich verstand nicht, was da geschah, aber es war egal in diesem Moment. Die Überzeugung, dass wirklich alles gut war, gut mit einem großen G, immer gut, gut auf der tiefsten Ebene des Seins, machte alles andere unwichtig. Barry lehnte sich zurück. Dann lächelte er wieder, nickte und sagte nur: „Gut, das ist sehr gut.” Damit war ich entlassen.
Fast schwebte ich aus dem Raum und durch die Eingangshalle des Konferenzzentrums, hinaus, in den kleinen Wald, der es umgab. Ein grauer Himmel schmiegte sich dicht an die Erde, die alten kahlen Eichen glänzten im Nieselregen und es war kalt. In mir jedoch schien unverkennbar ein klares, warmes, starkes Licht. Ich hatte das Gefühl, nach einer sehr langen Reise zuhause angekommen zu sein. Einem inneren und ewigen Zuhause, in dem die Vergangenheit verschwunden war und die Zukunft nicht existierte. Wieder erkannte ich, ohne jeden Zweifel, dass ich nichts und niemanden brauchte oder je brauchen würde, um glücklich, ganz und erfüllt zu sein.

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