Sex, Liebe und die Suche nach Sinn

Spirituell gefärbte Gedanken und Geschichten zur Evolution der Liebe

Das Gemälde einer Beziehung

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Kein Gemälde kann ein Stilleben, ein Portrait und eine Landschaft sein. Kein Gemälde kann von Matisse und Chagall und Dürer kommen. Kein Gemälde kann abstrakt, realistisch und impressionistisch zugleich sein.

Können wir die Schönheit einer Beziehung in ihrer Besonderheit sehen, ohne darauf zu bestehen, dass sie alles zugleich sein soll, ein buntes Buffet, an dem wir uns nach Belieben bedienen?

Daran dachte ich, als ich Rod in Chicago anrief. Zuerst schien es nichts zu sagen zu geben, ausser dass er eine dickere Jacke hätte mitnehmen sollen. Der berühmte Wind dort blies viel kälter als erwartet. Er erzählt, dass er die Skyline sehen konnte, von seinem Airbnb Zimmer. Doch dann, nach einer langen Pause, erzählt er mir von einem Gespräch mit vier männlichen Freunden. Sie hatten darüber gesprochen, was es bedeutet, heute Männer zu sein, in Beziehung zu Frauen, die sie nicht mehr zu brauchen scheinen, die ihrem Leben selbst Sinn und Bedeutung geben. Das kann ja nur gut sein, sagte er, Und dennoch ist da Angst und Unsicherheit, nicht mehr genau zu wissen, was die Aufgabe der Männer eigentlich ist.

Diese Transparenz öffnete eine Tür zwischen uns. Seine Erfahrung so klar zu hören war ein Geschenk. Ich merkte, wie tief diese männliche Unsicherheit gehen musste, jetzt, wo zehntausendeJahre männlich bestimmter Kultur sich umstülpen in etwas ganz neues und unerforschtes. Der Feminismus, die politische und wirtschafliche (annähernde) Gleichstellung der Frauen ist erst ein kleiner Anfang. Das wirkliche Terrain der Transformation beginnt dort, wo wir unserem Selbst-Verständnis als Mann und Frau begegnen und es hinter uns lassen können.

Dieses Gespräch war so eine Wanderung in ein noch unerforschtes Gebiet. Der Boden auf dem wir liefen entstand erst mit unseren Worten, dem Willen ehrlich und unverteidigt zu sein und uns aufeinander einzulassen, ohne besser oder schlauer als der oder die andere sein zu müssen oder schon zu wissen, wohin wir kommen sollten.

Je länger wir sprachen, umso mehr ich verstand von dem, was Rod bewegte, desto verschwommener wurde die Grenzlinie zwischen uns, vor allem jene, die ihn als Mann und mich als Frau beschrieb.

Solche Gespräche, dieses Vortasten aus den alten Geschlechteridentitäten hinaus und das gegenseitige ‘unter die Haut’ gehen dabei, machen einen bestimmenden Teil unseres Beziehungsgemäldes aus.

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