Sex, Liebe und die Suche nach Sinn

Spirituell gefärbte Gedanken und Geschichten zur Evolution der Liebe

Gott ist tot, es lebe Gott.

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Vor einigen Wochen hatte Die Zeit eine Leserumfrage zum Thema Glauben („Wer’s glaubt“) Die Frage war, ob Glauben in der deutschen Kultur noch relevant ist. Ich schrieb drei oder vier Sätze darüber, dass der Glaube meiner Kindheit in einen Gott ‚dort draußen‘ sich durch spirituelle Praxis verwandelt hat. Ich machte die Erfahrung eines ‚So-wie-es-ist-ist-es-unendlich-gut‘-Seins. Dieses ‚Gute‘ nannte ich manchmal Gott, manchmal den ,Seinsgrund‘, manchmal ;das Absolute‘, manchmal ‚reines Bewusstsein‘. In den darauf folgenden Jahren wuchs dann die Erkenntnis, dass sich die Existenz und alles in ihr in einem unfassbar großen Entwicklungsprozess befindet und das wir, als zumindest teilweise bewusste Menschen, zu dieser Entwicklung beitragen können. Der Gott meiner Jugend verwandelte sich also in etwas, das ich erst selbst erfahren konnte und dann lernte mit anderen Menschen gemeinsam zu gestalten. Ein Redakteur der Zeit schrieb dann zurück und lud mich ein, doch gern mehr zu schreiben. Man sagt nicht Nein, wenn so eine Anfrage von der Zeit kommt! Vor etwa zwei Wochen ging der Artikel dann online.

In den unerwartet vielen Zuschriften dazu, sehr viele davon kritisch, tauchte eine Frage auf, die ich im Artikel aus Platzgründen nicht ansprechen konnte, die aber spannend ist: Was nennen wir Gott? Es ist ja ein sehr beladenes Wort und einige der Kommentare machten es ganz deutlich: wir wollen entweder mit einem Gott nichts mehr zu tun haben, oder wir halten daran fest, dass der eine und einzige Gott jener der traditionellen Religionen ist. Kann sich unser Begriff von Gott aber verwandeln?

Ich hatte das Wort Gott benutzt, weil es diese Dinge miteinander vereint: es steht nicht nur für das Gute, Schöne und Wahre, sondern geht auch mit einer Art Aufforderung einher. Mit der Erkenntnis des Guten kommt früher oder später auch eine Sehnsucht und eine Art innerer, freiwilliger Verpflichtung, es nicht nur passiv zu genießen. Es wird dringend, herauszufinden, was es für das eigene Leben bedeutet und für das Leben an sich. Wie macht es Sinn zu leben?

Das, was uns diese Frage stellen, nach einer Antwort suchen, unsere eigene Tiefe entdecken und noch unbekannte Potentiale erahnen lässt, das, was uns dann versuchen lässt, das Leben auf all diese Dinge auszurichten, das würde ich Gott nennen. Gott tief in uns.

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