Sex, Liebe und die Suche nach Sinn

Spirituell gefärbte Gedanken und Geschichten zur Evolution der Liebe

Still sitzen oder Warum Meditieren?

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Stillsitzen oder Warum Meditieren?

Seit fast 20 Jahren meditiere is fast jeden Tag. Manchmal ist es nur eine halbe Stunde, aber ich habe auch einmal ein neunmonatiges Schweige-Retreat gemacht, in dem wir von fünf Uhr früh bis halb elf abends meditiert haben.Trotzdem – ich würde mich nicht unbedingt als leidenschaftliche Meditierende bezeichnen.

Oftmals war es eher ein Gefühl der Verpflichtung, das mich dazu brachte, mich immer wieder hinzusetzen und zu üben, das Chaos im Kopf und im Körper unbeeindruckt über mich hinwaschen zu lassen. Ich hatte dabei das Privileg in all diesen Jahren immer wieder eine Dimension zu erfahren, die von allem was intern oder extern abläuft völlig unberührt bleibt. Auch wenn diese Dimension oft nur flüchtig zu erfahren und letztlich vollkommen ungreifbar ist, gibt es eine Unmenge Kraft und Zuversicht wenn man langsam dahinter kommt, dass man selbst und das Leben mehr ist, als das, was sich zwischen den Ohren abspielt. Heute vermisse ich es, wenn ich mal nicht meditieren kann, so, als hätte ich es versäumt, bei einer guten Freundin vorbei zu schauen oder Wasser zu trinken.

Und mittlerweile, zwanzig Jahre später – also keine Minute zu früh! – werde ich mir auch der Relevanz all dieser Stunden des Übens immer bewusster. Zum einen fällt es immer leichter, dieses ungreifbaren Raums auch im Lärm der täglichen Hektik oder starker Gefühle gewahr zu sein. Das macht es möglich, eine weite Perspektive zu halten und in schwierigen Situationen nicht auf eine Weise zu reagieren, die ich später bereuen würde. Es schafft Raum, mit dem eigenen Verhalten zu experimentieren und sich zu öffnen für etwas, was man wirklich noch nicht kennt, ohne Angst haben zu müssen, sich selbst zu verlieren. In Gesprächen merke ich das besonders – wenn man nicht an einer Meinung, einem Selbstbild oder am Rechthaben interessiert sein muss, können Gespräche zu existenziellen Entdeckungen führen. (Dazu bald mehr.)

Eine der inspirierendsten Resultate ist, dass meine eigenen Verhaltensmuster, meine Stärken und Schwächen in einem objektiveren Licht erscheinen. Ich kann sie viel klarer wahrnehmen, vor allem auch Dinge, denen ich zuvor nicht so ins Auge sehen konnte. Zum Beispiel? Bei der Arbeit mit meinen Angestellten zu bemerken, wie abhängig ich davon bin, gemocht zu werden. Und wie unfrei es mich macht. Wie ich mit meinemVerhalten ihre Sympathie fast erzwingen möchte. Ich rechne es der Meditation an, dass es möglich ist, das einfach zu sehen und dabei innerlich still zu halten – es nicht gleich mit Kraft verändern zu müssen. Oftmals stellt sich dann heraus, dass aus diesem Stillhalten neue Reaktionen oder Verhaltensweisen entstehen. Fast wie von allein.

Ich denke, das ist das Wunder dieses Raums, der in der Meditation entdeckt werden kann: er ist der Boden neu entstehender Möglichkeiten.

Meditierst du? Und wenn ja, warum?

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2 Kommentare zu “Still sitzen oder Warum Meditieren?

  1. Schön hast Du das beschrieben. Da machen wir offenbar ganz ähnliche Erfahrungen. Mich würde interessieren, wo Du das neunmonatige Retreat seinerzeit gemacht hast.

  2. Hallo Daniel, vielen Dank für deinen Kommentar – ja, es ist bestärkend, dass solche Erfahrung eigentlich nichts persönliches sind. Das Retreat war in der Gruppe um den amerikanischen Lehrer Andrew Cohen. Wo und wie meditierst du?

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