Sex, Liebe und die Suche nach Sinn

Spirituell gefärbte Gedanken und Geschichten zur Evolution der Liebe

Sehen und gesehen werden

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Als ich das Buch herausbrachte haben viele Freundinnen gesagt, dass sie es mutig finden, so über meine Erfahrungen zu schreiben und sie öffentlich zu machen.

In vielerlei Hinsicht stimmt das sicher – mitunter kommt mir der Schweiß, wenn ich daran denke, was andere jetzt über mich lesen können. Dazu kommt das – anscheinend sehr verbreitete – Gefühl, vielleicht Mist geschrieben zu haben.

Doch letztendlich weiß ich eins ganz sicher – auch wenn meine Erfahrungen mitunter eher extrem waren, im Kern werden sie von vielen vielen Frauen gelebt.

Dass trotz dieser Einsicht der Widerstand gesehen zu werden so groß sein kann, spricht dazu, wie tief persönlich wir unsere Erfahrung nehmen. Obwohl wir selbst in ganz normalen Gesprächen mit Freundinnen immer wieder mit der Nase darauf gestoßen werden, wie ähnlich unsere Erfahrungen, Ängste oder Freuden sind, haben wir, wie der Terminator, der sich auch nachdem er in tausend Teile gesprengt wurde, in Windeseile wieder zusammenfügt, ein fast unerschütterbares Selbstgefühl, das darauf beruht, irgendwie besonders, einzigartig und einmalig zu sein. Das sind wir zwar in gewisser Hinsicht auch, aber diese Einzigartigkeit hat nichts mit dem zu tun, was wir als das Besondere an uns selbst verteidigen oder festhalten.

Mitunter kann einem schwindelig werden, wenn man wirklich an sich heranlässt, wie vieles von dem, was ich Ich nenne bestimmt ist durch Biologie, Kultur, familiäre Konstellationen oder einfach Zufall…wie die Tatsache, dass ich groß bin, dass ich bei Hitze mehr Lust auf Sex habe, als bei Kälte oder dass ich als Deutsche nicht umhin kann, in allen Dingen eine philosophische Betrachtungsweise einzunehmen.

Ich finde es endlos spannend in diesen Tunnel der Bedingtheit zu schauen, mich immer wieder zu fragen, was das einzigartige ist an dieser oder jener Situation oder Erfahrung, diesem oder jenem Gedanken und am anderen Ende den Schimmer eines unfassbaren Mysteriums zu erkennen, das auch darauf beruht, dass alles, was wir erfahren, in dem einen großen Lebensprozess stattfindet, dessen untrennbarer Teil wir sind und immer sein werden.

Die Freiheit, mit der wir daher auf unsere eigenen Erfahrungen schauen können, hat mir den Mut gegeben – oder die Freude – das Buch herauszubringen, sichtbar zu werden und mich darauf einzulassen, was diese Sichtbarkeit bringen mag.

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