Sex, Liebe und die Suche nach Sinn

Spirituell gefärbte Gedanken und Geschichten zur Evolution der Liebe

Leiden und Lernen

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Letzte Woche schrieb eine Leserin mit dieser Frage: „….Und ist es nicht das Leiden, dass einen auf die wesentlichen Fragen zurückwirft: Woher komme ich? Wer bin ich? Wozu bin ich hier? Wo gehe ich hin?“

Das ist auch meine Erfahrung. Ziemlich verloren und deprimiert im großen Berlin, sehnte ich mich als Zwanzigjährige nach Antworten auf diese Fragen. Sie brachten mich, und sehr viele meiner Zeitgenossen dazu, nach Indien zu fahren. Und seitdem waren es immer wieder Leiden oder Schmerz, die neue intensive Fragen und einen nächsten Schritt auslösten.

Lange Zeit habe ich gedacht, dass es doch zum Ziel des Menschseins gehören sollte, nicht nur unter diesem Druck des Leidens zu wachsen. Sollte eine Auswirkung spiritueller Arbeit nicht sein, das eigene Leiden zu mindern und sich dann sozusagen ‚freiwillig‘ zu entwickeln, auch ohne den Stress oder den Druck schmerzlicher Erfahrungen. Zu wachsen, einfach aus einer Freude heraus?

Theoretisch klingt das plausibel. Doch abgesehen davon, dass das Leben einfach nicht schmerzfrei zu sein scheint, glaube ich, dass unsere Freude und Freiheit tatsächlich eher darin besteht, uns den Druck unseres Leidens selbst zu suchen – uns selbst herauszufordern und an der Reibung, die dabei entsteht, zu wachsen.

Es scheint tatsächlich so zu sein, dass, wenn die Dinge zu einfach sind, wir zu Trägheit neigen – das ist wie eine Schwerkraft. Doch wenn wir großes Glück haben, und unser Leben im Grunde einfach ist, dann können wir uns aussuchen, wo wir uns dem Leiden stellen – im Innen und im Außen.

Dann suche ich mir Herausforderungen – oder finde sie in allem, was weniger als ideal ist. Ich wache auf und merke, wie vieles der Entwicklung bedarf – in mir, in meinen Beziehungen, in meiner Arbeit. Auch in der Welt. Doch nicht als abstrakte Erkenntnis, der ich mich letztendlich ohnmächtig gegenüber sehe. Sondern in dem Sinne, dass ich gefordert bin, einen kreativen Fuß-Abdruck zu hinterlassen mit meinem Leben und dass zu Veränderung immer Reibung – und oft auch Leid – gehört.

Wir Menschen sind (noch) nicht so gepolt, dass uns ständige Entwicklung leicht fällt – doch vielleicht ist es möglich, jetzt daran zu arbeiten, das nötige Leiden anzunehmen, so dass es in Zukunft tatsächlich leichter – oder offensichtlicher – wird.

 

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