Sex, Liebe und die Suche nach Sinn

Spirituell gefärbte Gedanken und Geschichten zur Evolution der Liebe

Polyamorie und das Versprechen der perfekten Beziehung

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1743723_10201546733525512_220803653_nWie viele meiner Generation und der direkt voran gegangenen – ich bin gerade 54 geworden – habe ich in den 80ern die Gelegenheit ergriffen, die freie Liebe auszuprobieren. Ich war damals oft deprimiert, und das einzige, was mich zunächst abzulenken vermochte, war die Anziehungskraft der vielen attraktiven Männer, die Berlin bevölkerten. Nachdem ich Anhängerin des indischen Gurus Osho Rajneesh wurde, bekam die freie Liebe, nicht nur in meinem Verständnis, sogar einen spirituellen Anstrich – es war mir wichtig, die einengenden Muster des Besitzanspruches, der Gewohnheit und der Bürgerlichkeit allgemein, zu sprengen und so die ‚Liebe zu befreien‘. Einen Auszug aus dem Buch dazu findet ihr hier.

In letzter Zeit gibt es eine breitere und rege öffentliche Diskussion zu den Themen Polyamorie und Polygamie (Die neue Liebe und Das Ende der Ehe sind Schlagwörter)und oft wird dabei mit einiger Erleichterung festgestellt, dass wir gar nicht für die monogame Liebe gemacht sind und der Versuch, monogam zu sein, Liebe sogar schwieriger, wenn nicht unmöglich macht.

Die wissenschaftlichen/biologischen Argumente, die dabei angeführt werden, sind einleuchtend. Bei den psychologischen wird es schon schwieriger. Wir sind ja keine Tiere mehr, Bonobos oder andere, und manchmal habe ich das Gefühl, dies wird in der Faszination mit wissenschaftlichen Fakten leicht übersehen. In mehreren Artikeln, die von Frauen geschrieben wurden, gestand die Autorin so auch, dass diese Art des Teilens von Liebhabern für sie nicht in Frage käme, sie aber dennoch viel Verständnis und Toleranz habe für die, die diesen Weg für sich wählen.

Ich kann das mitempfinden. Und frage mich mitunter, wieviel mehr meiner Aufmerksamkeit und Kreativität mein sexuelles Leben beanspruchen würde, wenn ich nicht einen Partner hätte, sondern mehrere. Guter Sex hat für mich sehr viel mit Vertrauen und tiefem Loslassen zu tun, und so etwas aufzubauen braucht Zeit und bewusste Absicht. Auch wenn mir die Idee der wilden, freien Liebe früher gefiel, war das Ergebnis letztendlich enttäuschend. Es war eher, als jagte ich einem Image von mir selbst hinterher, es war vielleicht bestätigend für mich als Frau zu wissen, dass ich Männer anziehen konnte, aber Erfüllung, selbst sexuelle, war nicht das Resultat.

Es gibt sicher keine Regeln. Auch das Alter spielt eine Rolle. Und dass die Gesellschaft versucht, die Schuldgefühle abzustreifen, die die offensichtliche Nicht-Einhaltung der Institution Monogamie verursacht, ist vielleicht Teil eines Wachstumsprozesses hinaus aus dem, was uns vorgeschrieben wurde und hin zu etwas, was wir selbst tragen und mit Leben erfüllen. Aber ich frage mich dennoch, ob diese dramatische Diskussion nicht doch wieder dem Patriarchat in die Hände spielt. Und uns endlos damit beschäftigt hält, einen Aspekt unseres Lebens zu ordnen und wieder umzuordnen auf der Jagd nach dem Versprechen einer Erfüllung, die, wie alles andere, das Menschen zusammen tun, letztendlich immer bewusste Arbeit und Aufmerksamkeit erfordert.

Hier ist ein sehr einfühlsamer (englischer) Dokumentarfilm dazu.

Ich würde mich sehr über Kommentare freuen.

Hier können Sie mein Buch bestellen.

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