Sex, Liebe und die Suche nach Sinn

Spirituell gefärbte Gedanken und Geschichten zur Evolution der Liebe

What’s 50 Shades got to do with it?

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Peep_Show_by_David_Shankbone What’s 50 Shades got to do with it?

Eine Freundin und ich hatten ein tolles und ziemlich erhitztes Streitgespräch über den Bestseller 50 Shades of Grey (sollten Sie von dem Buch noch nichts gehӧrt haben, schauen Sie auf Amazon hinein.)

Endlich ein Buch, das die weibliche Lust zelebriert, sagte sie. Schon, es ist Erotik oder Pornografie, und auch nicht besonders gut geschrieben, aber es geht um Verlangen, um Desire. Eine Erotik, die Frauen wirklich angeht und anmacht. Es sei doch an der Zeit.

Ich muss dazu sagen, dass meine Freundin Feministin ist und an Schulen Vorträge für Mädchen hält darüber, wie sexistisch Frauen in den Medien repräsentiert werden. Außerdem meditiert sie seit über 30 Jahren.

Ich stand in der Küche, mit dem Rücken zur Spüle, wenn nicht zur Wand, und gab mir große Mühe, ihr Argument zu verstehen. Ja, Frauen haben immer noch viel aufzuholen gesellschaftlich, das stimmt, vielleicht gehӧrt die Art von Aufklärung, die dieses Buch betreibt, auch dazu? Eine Frauen-Pornografie, inklusive überreichem Traumprinzen und einer entsetzlich unsicheren (Anti-)Heldin…. Aber hatten wir diese Sex-Geschichte nicht schon in den Siebziger Jahren abgehakt?

Nein, anscheinend nicht! widersprach sie. Millionen Frauen lesen das gerade und alle, mit denen ich gesprochen habe, sagen, dass das Buch ihnen hilft, ihre eigene Sexualität und Lust zu entdecken und zu verstehen. Offensichtlich sind wir also damals nicht weit genug gegangen. Und es gibt jede Menge Studien darüber, dass der Groβteil der Frauen beim Sex immer noch keinen Orgasmus hat. Da stimmt doch etwas nicht….

Ihre Frustration konnte ich nachempfinden –aber die Schlussfolgerung?

Ich brauchte etwas Zeit, bis ich mit ihrer Hilfe herausfand, was mich an diesem Buch wirklich so wurmt, (außer, dass es wirklich fürchterlich schlecht geschrieben ist) und warum ich es nicht als den feministischen Befreiungsschlag ansehen kann, als der es oft beschrieben wird:

Ist die Pornografie  eine so tolle Errungenschaft, dass Frauen es dem Beispiel der Männer einfach nachmachen sollten? Ist sie nicht ein steriler Ersatz, der zwar die Vorstellungskraft stimuliert, was zweiffellos eine Wirkung auf den Kӧrper haben kann, uns aber nie direkt in unsere Kӧrper bringen wird? Wir werden uns durch sie nicht zuhause fühlen an dem einzigen Ort, an dem Sexualität, ohne mentale Bilder oder linguistische Stimulation, ihren eigenen Ausdruck und ihre Erfüllung finden kann. Liebe macht man nicht im Kopf.

Das leuchtete uns beiden ein: Wenn wir unseren Kӧrpern erlauben, Sex zu haben, statt unseren Kӧpfen, und wenn wir lernen, tief zu vertrauen, kӧnnen wir eine viel entspanntere Beziehung zur Lust finden. Die ist nicht beladen mit illusorischen Idealen und uns letztendlich schwächenden Bedürfnissen. Dann kӧnnen wir lernen, dass Kӧrper ihre eigenen Rhythmen haben (ein Orgasmus ist schliesslich ein Reflex des autonomen Nervensystems!) und nichts sind, worüber wir uns unendlich Gedanken machen, Magazine lesen oder Bücher studieren müssen. Vielleicht brauchen wir nicht Pornografie, sondern eine oder einen vertrauenswürdigen Partner oder Partnerin und den Mut, dafür zu stehen, dass wir ganz normale, sexuelle Wesen sind.

 

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